Musik & Theater
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Der Fluss
Die Lieder der Lebenden, die Lieder der Toten

* abgespielt

Theateressay in sechs gesungenen Sprachen von Peter Wagner Komposition bzw. Musikarrangement: Ferry Janoska Produktion: Offenes Haus Oberwart (Österreichischer Kunstpreis 2013) Der Fluss ist Leitmotiv: Einerseits trennt er, wie der Totenfluss der griechischen Mythologie das Diesseits vom Jenseits trennt, andererseits bezeichnet er das stete Fließen, ja Ineinanderfließen der gesanglichen Äußerung einer Volkskultur, die gerade in einem Grenzland wie dem Burgenland über Jahrhunderte in gelebter Vielsprachigkeit entwickelt und gepflogen wurde. Zur Aufführung kommen insgesamt 33 von Ferry Janoska so fulminant wie sensibel arrangierte Volkslieder. Das Spektrum reicht von weltlichen Liedern aller im Burgenland einstmals und gegenwärtig vorhandenen Sprachgruppen (Deutsche, Kroaten, Ungarn, Juden, Hianzen, Roma) bis zu Volksballaden und geistlichen Liedern aus dem Bereich der Totenklagen. Es handelt sich dabei um eine Produktion des Offenen Hauses Oberwart (OHO), dem am 28. Jänner 2014 als erster österreichischer Kulturinitiative der Österreichische Kunstpreis 2013 von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer verliehen wurde. Erstmals wurde damit eine österreichische Kulturinitiative mit einem Staatspreis ausgezeichnet. „Der Fluss“ ist eine Erzählung auch über das Vergessene: Beispielsweise die in vielen Liedern in dieser oder jener Weise zu Gesang und Sprache gebrachte Beziehung von Müttern zu ihren Töchtern, die rigorosen moralischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen war. Oder aber sog. Burschenlieder, die oft der rituellen Demütigung von bestimmten Mädchen in einem Gesellschaftsverband dienten. Oder aber die sog. Spinnstubenlieder, die vom unverhältnismäßig harten Arbeitslos von Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert hin zeugen. Eine unbedingte (Wieder)Entdeckung sind die Totenlieder und –klagen der Kroaten, die nach dem 2. Vatikanum als heidnische Relikte verboten wurden, bis heute aber – heimlich – weiterleben. Ein heute gerne und oftmals übersehenes Kapitel bilden die Generationenkonflikte in den Liedern, die oftmals mit unglaublicher Härte und Bedingungslosigkeit geführt wurden – „Jo, da hast an Strick, häng dich auf damit“, sagt die Junge zur Alten, und damit wären sämtliche weiteren Konflikte, die das Lied thematisiert, mit einem Schlag gelöst. In vielen Liedern der Burgenland-Roma tauchen Auschwitz-Reflexionen auf: Laut Christiane Fennesz-Juhasz finden sich hier neben Kontrafakturen auf populäre Schlager vor allem Lieder, die auf traditionellen Melodien basieren. Weiters bezieht das Stück auch das jüdische Liedgut ein, das ja bis 1938 ebenfalls bestanden hat (u.z. sowohl in hebräischer Sprache bei liturgischen Texten als auch in jiddischer). Hierbei wird ein 1925 in Mattersburg aufgezeichnetes jüdisches Wiegenlied erstmals öffentlich aufgeführt.

  • Philipp Eisenmann
  • Marco Blascetta
  • Barbara Horvath
  • Ferry Janoska Ensemble
  • Sandra Selimovic
  • Eveline Rabold

STEHENDE OVATIONEN FÜR „DER FLUSS“ Liebeserklärung an das Burgenland Ausdrucksstarke Sängerinnen und Sänger, eindringliche, zu Herzen gehende Melodie, Lieder, die auch von Vertreibung und Vernichtung erzählen. Peter Wagners melancholische Liebeserklärung an das Burgenland ist fern von flacher Folklore und will auch nicht oberflächlich Identität stiften. O-Ton Peter Wagner: „In Wahrheit geht es doch immer darum: Wie fühlt sich der einzelne, wie singt er das Lied seines Lebens. Das hat oft mit Identität zu tun, aber oft auch nur mit einer Hingabe. Das ist in jeder Volksgruppe etwas anders gefärbt - und im großen Bogen dann doch wiederum sehr identisch.“ Zur Premiere gab´s stehende Ovationen vom Publikum. Eva Hillinger, ORF-Burgenland

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